III. Symposium

16.11.2007

Dialog der Kulturen als europäische Chance-III

Die Wahrnehmung des Anderen

Abgeordnetenhaus von Berlin



Die Wahrnehmung des Anderen

Soziale Beziehungen beginnen mit der Wahrnehmung einer anderen Person. Der Mensch beobachtet und beurteilt ihre Eigenarten, bemüht sich die Absichten zu entdecken und entwickelt Annahmen über ihr wahrscheinliches Verhalten. Seine Annahmen werden manchmal bestätigt.
Werden sie nicht bestätigt, sucht er nach Gründen, ändert seine Sichtweise oder ist verunsichert. Sein eigenes Verhalten ist oft eine Folge dieser Einschätzung der anderen Person. Permanent laufen unbewusste und bewusste Prozesse ab, die die Personenwahrnehmung dadurch beeinflussen, dass sie die hintergründig wirksamen Einstellungen den Menschen oder bestimmten Personen gegenüber festigen und unter bestimmten Bedingungen zu deren Veränderung beitragen, und dass sie den eigenen Gefühlen, Wünschen und Absichten zum Durchbruch verhelfen. Zwischen Wahrnehmenden und Wahrgenommenen entsteht eine bewusste oder unbewusste doppelte Interaktion, eine gegenseitige Beeinflussung. Eine wesentliche Rolle in diesem Prozess spielen Vorurteile.

Die meisten Menschen haben Vorurteile, sie sind in unserer Struktur des Denkens und Lernens angelegt. Fast die gesamte Menschheitsgeschichte wird von Vorurteilen und Diskriminierungen gegenüber gesellschaftlichen Minderheiten begleitet. Im schlimmsten Fall endet dies im Versuch der Vernichtung der Minderheit.

Vorurteile können auch zu Pauschalurteilen führen und somit Feindbilder festigen. Die grundlegende Basis von Vorurteilen und Diskriminierungen stellt dabei die Kategorisierung sozialer Gruppen dar. Es gibt Minderheiten, die in Deutschland aufgrund ihrer zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit und entsprechenden pauschal unterstellten, negativen Merkmalen und Eigenschaften mit Vorurteilen konfrontiert sind, wie z.B. Ausländer, Muslime, Behinderte oder Obdachlose.

Der Zusammenbruch des bipolaren Systems und der Wegfall von kulturellen und religiösen Grenzen als Folge von Migrationen und der modernen Medien machen uns alle – auch in unserer eigenen Identität – unsicher. Das Unwissen übereinander und der Mangel an nötigen sozialen Kontakten steigert die Unsicherheit. Wissen und Begegnung im unpolitischen Raum sind Voraussetzungen für ein realistisches Bild der „Anderen“.

Um Vorurteile zu entkräften ist ein Bündel von Maßnahmen erforderlich und zahlreiche Akteure der Gesellschaft wie Eltern und Familien, Schule und Jugendbildung, Politik und Medien sind gefragt. Werden Sie aber Ihrer Verantwortung gerecht?

Auf dem Symposium “Dialog der Kulturen als Europäische Chance III” möchten wir über die Wahrnehmung des Anderen sowie über den Umgang mit den eigenen Vorurteilen diskutieren.

Folgenden Fragen soll nachgegangen werden:

Wie funktioniert soziale Wahrnehmung? (Psychologische Ebene)
Wie nehmen die Einzelnen Religionen die „Anderen“ wahr? (Theologische Ebene)
Wie werden die „Anderen“ in den Medien wahrgenommen? (Medienwissenschaftliche Ebene)
Wie werden die „Anderen“ im öffentlichen Leben wahrgenommen?
Welche Faktoren bestimmen die Wahrnehmung des „Anderen“?
Wie werden Feindbilder aufgebaut und welche Funktion haben Sie?
Können wir ohne „den Anderen“ eine eigene Identität entwickeln?



Unsere Vergangenheit ist unterschiedlich, unsere Zukunft jedoch gleich

In der deutschen Hauptstadt Berlin endete das Symposium „Dialog der Kulturen als europäische Chance“ mit der Botschaft „Unsere Vergangenheit ist unterschiedlich, unsere Zukunft jedoch gleich“.
Das unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Bundestages Prof. Dr. Rita Süßmuth stattgefundene Symposium „Dialog der Kulturen als europäische Chance“ hatte dieses Jahr „Die Wahrnehmung des Anderen“ zum Thema. Auf dem Symposium wurde auf die aktuelle Situation der Einwanderer hingewiesen. Des weiteren wurde auf die Näherungsweise der deutschen Medien an die Einwanderer hingewiesen. Dr. Jochen Thies, Deutschlandradio-Kultur-Chefredakteur, erwähnte, dass „die Anzahl der Deutschen mit Migrationshintergrund in den Medien zu gering“ sei und dass Deutschland hier „deutlich hinter den USA und Frankreich zurückgeblieben“ sei.
Süleyman Bag, Redaktionsleiter der renommierten türkischen Tageszeitung „Zaman“ in Berlin, betonte, dass die Medien oft zu überspitzte und teilweise unzutreffende Berichterstattung liefere und fügte hinzu: „Die Medien bestimmen die Wahrnehmung des „Anderen“. Der Großteil der Bevölkerung nimmt den „ Anderen“ leider auch nur in diesem Rahmen wahr. Daher müssen wir uns nicht nur auf politischer Ebene, sondern vielmehr auf einer auf gemeinsamen Werten basierender Ebene annähern.“ Der Optimismus müsse mit Taten unterstützt werden, so Bag: „Auch wenn unsere Vergangenheit und unsere Wurzeln nicht dieselben sind, ist unsere Zukunft dennoch gleich.“
Unter den Referenten des eintägigen Symposiums war auch der Vorsitzende des Innenausschusses des deutschen Bundestages Sebastian Edathy (SPD). „Das Zusammenleben fängt schon in Kindertagesstädten und den Schulen an. Daher muss man in gemischten statt homogenen Klassen unterrichten“, so Edathy. Außerdem erzählte er von einem Vorfall, welches er erlebt hatte: „Während eines Grundschulbesuches ist es mir aufgefallen, dass die Lehrerin auf einen Schüler deutend ‚Iraner’ gesagt hat, obwohl das Kind in Deutschland geboren wurde und dessen Eltern deutsche Staatsbürger waren, die seit über 20 Jahren in Deutschland leben. Diese Logik muss sich ändern.“ Edathy forderte die Medien auf mehr über Einwanderer zu Berichten, jedoch nicht mit negativen Darstellungen, die die Ängste in der Gesellschaft nur noch schüren würden. Der Geschäftsführende Vorsitzende von FID BERLIN e.V. Ercan Karakoyun hielt einen Vortrag über den „Anderen“ in der Stadt und wies auf die Problematik und den Umgang mit Quartieren, in denen sich Migranten konzentrieren, an. Das Abstempeln dieser Quartiere als „Ghetto“ oder „Kolonie“ könne verheerende folgen haben. Räumliche Konzentrationen sind nicht vermeidbar, aber dennoch müsse der Staat aktiv in diesen Gebieten Hilfestellungen leisten, um so ein weiteres Absinken zu verhindern.

 

Das Programm

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