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Stimmen der Zukunft

  • 17. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Jugendarbeit

Interkulturelles Jugendforum

10.2025 - 12.2025



In einer Gesellschaft, die oft über junge Menschen spricht, statt mit ihnen, ist es umso wichtiger, Räume zu schaffen, in denen ihre Stimmen wirklich gehört werden. Von Oktober bis Dezember 2025 haben wir genau das getan: Mit dem Interkulturellen Jugendforum „Stimmen der Zukunft" brachten wir junge Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung zusammen – nicht um über sie zu sprechen, sondern um ihnen zuzuhören, sie zu stärken und ihnen eine Plattform zu geben. Was als Kennenlernrunde begann, entwickelte sich zu einem intensiven Prozess des Austauschs, der persönlichen Entwicklung und des gemeinsamen Lernens.



Räume des Vertrauens

Nach einer interaktiven Kennenlernaktivität, die von Anfang an eine offene und warme Atmosphäre schuf, öffneten vier Safe-Space-Treffen den Raum für tiefgehende Gespräche. Hier konnten die Jugendlichen ohne Vorbehalte sprechen – über Alltagsherausforderungen, Sprachbarrieren, Diskriminierungserfahrungen und Zukunftsfragen. Es waren Momente der Verletzlichkeit und der Stärke zugleich. Die Teilnehmenden merkten schnell: Sie sind nicht allein mit ihren Erfahrungen. Aus diesen Gesprächen kristallisierten sich die Themen heraus, die ihnen wirklich wichtig waren. Nicht wir als Veranstalter bestimmten die Agenda – die Jugendlichen taten es.


In drei fokussierten Workshops holten wir externe Experten hinzu, um die Anliegen der Jugendlichen zu vertiefen. Die Sozialarbeiter Ömer Ciftci und Ömer Faruk Gönülalan vermittelten praktische Strategien im Umgang mit Konflikten und rechtlichen Fragen – Wissen, das im Alltag unmittelbar anwendbar ist. Social-Media-Experte Selim Dursun beleuchtete den Einfluss digitaler Medien auf die Gedankenwelt junger Menschen und regte zu kritischem Denken an. Eine Podiumsdiskussion mit erfolgreichen Persönlichkeiten zeigte den Teilnehmenden, welche Wege möglich sind und dass ihre Träume keine Utopie sein müssen. Diese Begegnungen waren mehr als Wissensvermittlung – sie waren Inspiration und Ermutigung.



Junge Stimmen auf Sendung

Ein besonderes Highlight war das Podcast-Projekt, das vom 19. bis 23. Dezember 2025 stattfand. Die Jugendlichen produzierten ihre eigenen Podcast-Folgen und lernten dabei nicht nur die Technik kennen, sondern übten auch Interviewführung und entwickelten ihre Themen eigenständig weiter. Die Diskussionen und Erfahrungen aus dem Forum flossen direkt in ihre Beiträge ein. Am Ende stand nicht nur ein fertiger Podcast, sondern auch die tiefe Erfahrung, dass ihre Perspektiven eine öffentliche Plattform verdienen – und dass sie selbst die Kompetenz besitzen, diese Plattform zu gestalten.


Unsere Exkursion nach Mannheim und die Filmvorführung von „Exodus" halfen dabei, Vorurteile abzubauen und Perspektiven von Minderheiten bewusster wahrzunehmen. Diese Momente außerhalb des klassischen Workshop-Settings schufen zusätzliche Gelegenheiten für Reflexion und Austausch. Die Teilnehmenden erlebten, dass Vielfalt ein Gewinn ist und Zugehörigkeit nicht von Herkunft oder Religion abhängt, sondern von der Bereitschaft, einander zu begegnen.


Die Jugendlichen gewannen weit mehr als Wissen: Sie entwickelten Handlungssicherheit, verbesserten ihre Kommunikationsfähigkeiten und bauten ein Netzwerk auf, das über das Projekt hinaus trägt. Viele berichteten, dass sie sich zum ersten Mal in einem Raum befanden, in dem ihre Erfahrungen nicht erklärt oder gerechtfertigt werden mussten, sondern einfach gehört wurden. Diese Erfahrung von Zugehörigkeit und Anerkennung ist unbezahlbar.


Für uns als Forum für Interkulturellen Dialog war „Stimmen der Zukunft" ein Projekt, das uns selbst viel gelehrt hat: Echte Teilhabe entsteht nicht durch fertige Programme, sondern durch das Zuhören, das Ernstnehmen und das Vertrauen in die Kompetenzen junger Menschen. Die Stimmen der Zukunft sind bereits da – wir müssen ihnen nur Gehör schenken.

Unser Dank gilt allen Teilnehmenden, die ihre Geschichten geteilt und das Forum mit Leben gefüllt haben, den Experten Ömer Ciftci, Ömer Faruk Gönülalan und Selim Dursun für ihre wertvollen Impulse, sowie allen Unterstützer:innen, die dieses Projekt möglich gemacht haben. Wir freuen uns darauf, diese wichtige Arbeit fortzusetzen und jungen Menschen auch künftig Räume zu schaffen, in denen ihre Stimmen zählen.

 
 
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