Nostra Aetate Conference – 60 Years After the Declaration
- vor 5 Stunden
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Interfaith Dialog
Three Faiths – One Hope: 60 Years after Nostra Aetate
November 2025 - Frankfurt am Main

Es gibt Momente in der Geschichte, die zum Wendepunkt werden – Momente, in denen Menschen den Mut finden, einander anders zu begegnen. Die Erklärung „Nostra Aetate" war 1965 so ein Moment: ein mutiger Schritt der katholischen Kirche, der den Dialog mit dem Judentum und dem Islam auf eine neue Grundlage stellte. 60 Jahre später, vom 5. bis 6. November 2025, verwandelte sich das Haus am Dom in Frankfurt in einen Ort der Begegnung, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlte. Gemeinsam mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und dem Haus am Dom richteten wir eine internationale Konferenz aus, die nicht nur zurückblickte, sondern vor allem nach vorne schaute: „Three Faiths – One Hope" – drei Religionen, eine Hoffnung.
Ein Mosaik aus Stimmen und Perspektiven
Etwa 150 religiöse Führungspersönlichkeiten, Theolog:innen, Wissenschaftler:innen und Gäste aus aller Welt folgten unserer Einladung. Vertreter:innen aus Nigeria, Albanien, Israel, Polen, den USA und Indonesien trugen ihre Perspektiven bei, und jede Stimme fügte dem Mosaik eine neue Facette hinzu. Diese Vielfalt war kein Zufall, sondern Programm – denn „Nostra Aetate" lebt davon, dass Dialog nicht abstrakt bleibt, sondern in der konkreten Begegnung von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen Gestalt annimmt.
Was 1965 als theologisches Dokument begann, wurde in Frankfurt lebendig erfahrbar. Die Erklärung war damals mehr als ein kircheninternes Statement: Sie war ein Aufruf zur Versöhnung, zur Anerkennung des Anderen auf Augenhöhe und zum gemeinsamen Engagement für Frieden. Dieser Aufruf hat auch 60 Jahre später nichts an Dringlichkeit verloren – im Gegenteil.
Das zweitägige Programm bot inspirierende Keynotes, lebendige Podiumsdiskussionen und tiefgehende Gespräche. Besonders bewegend waren die persönlichen Zeugnisse der eingeladenen Vertreter:innen, die aus ihrer Alltagspraxis berichteten. Es waren keine abstrakten Theologiediskurse, sondern Geschichten von Verständigung, die Mut machen: Geschichten von Imam:innen, Rabbiner:innen und Pastor:innen, die in ihren Gemeinden Brücken bauen. Geschichten von Menschen, die erleben, wie schwer Dialog manchmal ist – und wie lohnend er sein kann.
In kleinen Gruppen entstanden intensive Gespräche, neue Netzwerke wurden geknüpft, und Ideen entwickelt, die weit über Frankfurt hinauswirken werden. Die Atmosphäre war geprägt von Offenheit, Respekt und echter Neugier aufeinander – genau das, wofür „Nostra Aetate" steht. Es war spürbar: Hier ging es nicht um diplomatische Höflichkeit, sondern um echtes Interesse am Anderen, an seinen Überzeugungen, seinen Zweifeln, seinen Hoffnungen.
Frankfurt als Tor zur Welt
Die zentrale Lage in Frankfurt erwies sich als besondere Stärke. Für viele lokale Interessierte bot die Konferenz die Chance, internationale Expertise hautnah zu erleben und aktiv mitzuwirken – eine Brücke zwischen globaler Perspektive und lokaler Verankerung.
Der Abschluss mit einer interreligiösen Stadtführung machte deutlich: Dialog findet nicht nur in Konferenzräumen statt, sondern auch auf den Straßen unserer Städte, in den Synagogen, Moscheen und Kirchen, die unsere Nachbarschaft prägen.
Die Resonanz war überwältigend. Mehrere internationale Zeitungen berichteten über die Konferenz, und sowohl Fachkreise als auch die breite Öffentlichkeit nahmen Notiz. Die Teilnahme von Vertreter:innen aller drei monotheistischen Religionen unterstrich eindrucksvoll, dass der Geist von „Nostra Aetate" lebendig bleibt – und dass er gerade heute, in Zeiten wachsender Polarisierung, dringend gebraucht wird.
Diese Konferenz war kein isoliertes Event, sondern ein starkes Signal für die Zukunft unserer Arbeit. Die gesammelten Impulse werden in unsere kommenden Projekte fließen und uns daran erinnern: Wo Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen aufeinandertreffen, entsteht Hoffnung. „Nostra Aetate" bleibt nicht nur historisches Dokument, sondern lebendige Einladung zum Dialog, der unsere Gesellschaft stärkt.
Unser Dank gilt allen Teilnehmenden, die mit ihrer Expertise, ihren Erfahrungen und ihrer Offenheit diese Konferenz zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an unsere Kooperationspartner, ohne die diese Konferenz nicht möglich gewesen wäre. Die Gespräche, Begegnungen und Freundschaften, die in diesen zwei Tagen entstanden sind, werden weiterwirken – in Frankfurt, in Deutschland und darüber hinaus.
Als Forum für Interkulturellen Dialog sind wir bestärkt worden, weiterhin Räume zu schaffen, in denen Vorurteile abgebaut und gemeinsame Werte entdeckt werden. Denn genau dafür stehen wir: für eine Welt, in der drei Religionen eine Hoffnung teilen können – die Hoffnung auf Frieden, Verständigung und ein gutes Zusammenleben.
In Kooperation mit:
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen
Haus am Dom Frankfurt
Speakers:
Prof. Dr. Scott C. Alexander (USA)
Cenap Aydin (Italy)
Johanna Irma Betaubun (Indonesia) Dr. Fevzullah Bilgin (Nigeria)
Rev. Bishop David Evans (UK)
Prof. Dr. Genti Kruja (Albania)
Rabbi Misha Kapustin (Slovakia)
Bishop Gjergj Meta (Albania)
Dr. Magdy Mohamed Ashour (Egypt)
Rabbi Dr. Yakov Nagen (Israel)
His Eminence John Cardinal Onaiyekan (Nigeria)
Fr. Dr. Cornelius Afebu Omonokhua (Nigeria)
Dr. Ana Petrache (Romania)
Meilia Irawan (Indonesia)
Moderators:
Prof. Dr. Agata S. Nalborczyk (Poland)
Dr. Arhan Kardaș (Germany)
Illona Klemens (Germany)
Kübra Özcan (Germany)
Prof. Dr. Tobias Specker (Germany)



