Wahlcafé zur Kommunalwahl 2026 in Hessen
- vor 20 Stunden
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Kaffee & Kuchen mit Kolja Müller (SPD), Dimitrios Bakakis (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Sara Steinhardt (CDU)

Mit unserem Projekt „Wahlcafé“ zur anstehenden Kommunalwahl in Hessen haben wir an unsere Erfahrungen aus unserem letztjährigen Projekt „Raum für Demokratie" zur damaligen Bundestagswahl angeknüpft und erneut Räume für direkten Austausch zwischen Bürger:innen und Politik geschaffen. Als gemeinnütziger Verein, der sich in Frankfurt seit vielen Jahren für interkulturellen und interreligiösen Dialog engagiert, war es uns wichtig, kurz vor der Kommunalwahl am 15. März 2026 niedrigschwellige Begegnungen mit Kandidat:innen zu ermöglichen und zugleich auf die Bedeutung dieser Wahl aufmerksam zu machen. Mit dem Wahlcafé möchten wir auch dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen ihr Wahlrecht wahrnehmen und sich aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt beteiligen. In unseren Büroräumen kamen wir bei Kaffee & Kuchen mit Vertreter:innen von SPD, GRÜNEN und CDU zusammen – jeweils in kleiner Runde, mit Zeit für persönliche Gespräche, Nachfragen und Vernetzung.
Kolja Müller (SPD): Soziale Stadt, Ehrenamt und Teilhabe
Den Auftakt machte Kollja Müller (SPD), der mit uns über die Frage sprach, wie Frankfurt als Stadt für alle lebenswert bleiben kann. Im Mittelpunkt standen Themen wie bezahlbarer Wohnraum, gute Bildung und eine funktionierende städtische Infrastruktur – immer verbunden mit der Frage, wie soziale Gerechtigkeit konkret vor Ort gestaltet werden kann. Als gemeinnütziger Verein war uns besonders der Bereich des Ehrenamts wichtig: Wir sprachen darüber, wie bürgerschaftliches Engagement besser unterstützt und sichtbarer gemacht werden kann und welche Rolle Vereine für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft spielen. Wir nutzten die Gelegenheit, unsere eigenen Erfahrungen aus der Praxis einzubringen – von Herausforderungen in der sozialen Arbeit bis zu Wünschen an die Kommunalpolitik.

Dimitrios Bakakis (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Klima, Stadtentwicklung und Engagement
Mit Dimitrios Bakakis von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN rückten die Themen ökologische Stadtentwicklung und gerechte Mobilität in den Vordergrund. Wir diskutierten darüber, wie Frankfurt klimafreundlicher werden kann – etwa durch den Ausbau des ÖPNV, sichere Radwege und mehr Grünflächen – ohne dabei Menschen mit geringeren Einkommen aus dem Blick zu verlieren. Auch hier spielte das Ehrenamt eine zentrale Rolle: Wir berichteten, wo Strukturen gut funktionieren und wo wir uns mehr Unterstützung durch die Stadt wünschen. Es wurde deutlich, dass eine zukunftsfähige Stadt nicht nur politische Entscheidungen, sondern auch starke zivilgesellschaftliche Netzwerke braucht.

Sara Steinhardt (CDU): Verlässliche Strukturen und Wertschätzung für Vereine
Mit Sara Steinhardt (CDU) sprachen wir insbesondere über Sicherheit, verlässliche städtische Strukturen und Frankfurt als Wirtschafts- und Lebensstandort. Aus unserer Perspektive lag der Fokus schnell auf der Frage, wie Ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Organisationen in ihrer Arbeit gestärkt werden können – sei es durch unbürokratischere Verfahren, bessere Informationswege oder eine verlässliche Förderung. Unsere Begegnung machte deutlich, wie sehr Vereine dazu beitragen, Begegnung, Dialog und Teilhabe zu ermöglichen, gerade in einer vielfältigen Stadt wie Frankfurt. Die Teilnehmenden nutzten den geschützten Rahmen, um konkrete Anliegen zu schildern und mit der Kandidatin in einen offenen Austausch zu treten.

Atmosphäre im Wahlcafé
Alle drei Treffen fanden in einer Atmosphäre statt, die zugleich herzlich und konzentriert war. Frischer Kaffee, Tee und Kuchen sorgten dafür, dass die Gespräche nicht nur an Konferenztischen, sondern auch in lockeren Runden geführt wurden. Zwischen und nach den offiziellen Gesprächsphasen ergaben sich immer wieder kleinere Gruppen, in denen persönliche Geschichten, Fragen und unterschiedliche Blickwinkel Platz hatten. Auch bei kontroversen Themen blieb der Umgang respektvoll – getragen von der gemeinsamen Haltung, einander zuzuhören und ernst zu nehmen.
Ehrenamt, Dialog und digitale Einblicke
Was sich durch alle Begegnungen zog, war die zentrale Rolle des Ehrenamts für unsere Stadtgesellschaft. Viele Fragen drehten sich darum, wie die Arbeit von Vereinen, Initiativen und Engagierten sichtbarer gemacht und langfristig unterstützt werden kann – sei es durch Räume, Ressourcen oder Anerkennung. Als FID e.V. sehen wir uns dabei nicht nur als Gastgeber, sondern auch als Teil dieser Engagement-Landschaft, die Demokratie vor Ort konkret erfahrbar macht. Um Einblicke über den Kreis der Anwesenden hinaus zu ermöglichen, haben wir mit allen drei Kandidat*innen kurze Interviews aufgezeichnet. Die entstandenen Reels mit Einblicken in ihre Positionen und persönlichen Motivationen findet ihr hier auf unserem Instagram-Kanal.
Ein weiteres wichtiges Thema in allen Gesprächen war der spürbare Rechtsruck und die Frage, wie wir als Stadtgesellschaft damit umgehen wollen. Alle Teilnehmenden äußerten Sorgen über zunehmende demokratiefeindliche Haltungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und die Normalisierung von Hass in Sprache und Alltag – Entwicklungen, denen wir uns in unserer Bildungs- und Dialogarbeit seit Jahren aktiv entgegenstellen. Gemeinsam mit den Kandidat:innen haben wir darüber gesprochen, wie Politik, Zivilgesellschaft und insbesondere Ehrenamtliche zusammenarbeiten können, um demokratische Werte zu stärken, Betroffene zu unterstützen und klare Grenzen gegenüber menschenverachtenden Positionen zu ziehen. Für uns war es wichtig zu betonen, dass Demokratie nicht nur in Wahlkabinen, sondern gerade auch in alltäglichen Begegnungen verteidigt und gelebt wird
Fazit
Mit dem „Wahlcafé“ wollten wir kurz vor der Kommunalwahl 2026 einen Raum schaffen, in dem Fragen gestellt, Positionen hinterfragt und Perspektiven geteilt werden können – ohne Rednerpult, aber mit viel Zeit für echte Begegnung. Die Gespräche mit Kollja Müller, Dimitrios Bakakis und Sara Steinhart haben gezeigt, wie wertvoll solche Formate für das Vertrauen in demokratische Prozesse sind, insbesondere wenn Ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Akteurinnen ausdrücklich mitgedacht werden. Wir danken allen Gästen, Engagierten und Kandidatinnen für ihre Offenheit und die vielen Impulse. Als Forum für Interkulturellen Dialog e.V. möchten wir auch in Zukunft Projekte umsetzen, in denen Dialog nicht nur ein Schlagwort ist, sondern praktisch gelebt wird – in unseren Räumen, in der Stadt und gemeinsam mit den Menschen, die sie gestalten.



