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Frankfurt hält zusammen – aber wie lange noch?

  • vor 14 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Gesellschaft und Politik

Zusammenleben ist kein Zufall

10.05.2026 / Frankfurt am Main / Kadir Boyaci

Frankfurt am Main - Stadt der Vielfalt
Frankfurt am Main - Stadt der Vielfalt

Die Stadt ist bunt, laut, widersprüchlich. Über 180 Nationalitäten leben hier, Moscheen stehen neben Synagogen, Kirchengemeinden organisieren gemeinsame Iftar-Abende, und auf dem Römerberg treffen sich Menschen, die in keiner anderen Stadt Deutschlands gemeinsam stehen würden. Frankfurt gilt als Musterbeispiel urbaner Vielfalt und genau deshalb ist es Zeit, ehrlich hinzuschauen.

Denn Zusammenleben entsteht nicht von selbst.

In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltung, populistische Vereinfachungen und geopolitische Spannungen auch in Frankfurter Stadtteilen ankommen, ist Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit mehr. Er ist Arbeit. Täglich geleistete, oft unsichtbare Arbeit, in Gemeindezentren, in Schulen, in Kulturzentren, in Moscheen, in Kirchen und Synagogen, in Beratungsstellen und Jugendhäusern.

FIDeV ist seit Jahren Teil dieser Arbeit. Nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung: Dass Vielfalt nur dann funktioniert, wenn Menschen sich wirklich begegnen. Nicht nebeneinander, sondern miteinander.

Wenn Schweigen lauter wird als Worte

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie fragil das Miteinander sein kann. Antisemitische Vorfälle an Frankfurter Schulen. Islamfeindliche Angriffe im öffentlichen Raum. Rechtsextreme Parolen in sozialen Medien, die in Schulhofgespräche eindringen. Eine Gesellschaft, die zunehmend in Echokammern kommuniziert und dabei verlernt, dem anderen wirklich zuzuhören.

Die Antwort darauf ist keine Willkommensbroschüre. Sie ist Dialog: strukturiert, ehrlich und manchmal unbequem.

FIDeV steht für einen Dialog, der die schwierigen Fragen nicht ausblendet. Wie sprechen wir über den Nahostkonflikt, ohne einander zu verletzen? Wie begegnen wir Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gleichzeitig, ohne das eine gegen das andere auszuspielen? Wie schaffen wir Räume, in denen Jugendliche aus verschiedenen Hintergründen nicht nur koexistieren, sondern voneinander lernen?

Diese Fragen haben keine einfachen Antworten. Aber sie verdienen das Gespräch.

Frankfurt als Labor des Zusammenlebens

Frankfurt ist nicht perfekt. Aber es ist besonders. Die Stadt hat eine lange Geschichte des Handels, der Migration, des kulturellen Austauschs. Diese Geschichte verpflichtet.

Was FIDeV in Frankfurt erlebt: Menschen wollen sich begegnen. Muslimische Jugendliche, die mehr über das Judentum verstehen möchten. Jüdische Gemeindeglieder, die zum ersten Mal eine Moschee von innen sehen. Christliche Gemeinden, die gemeinsam mit muslimischen Nachbarn gegen Ausgrenzung eintreten. Diese Momente passieren nicht zufällig – sie entstehen, wenn jemand den Rahmen schafft.

Das ist unsere Arbeit. Und sie ist notwendiger denn je.

Was wir von der Politik erwarten

Interreligiöser und interkultureller Dialog ist kein Luxus und kein Feierabendprojekt. Er ist präventive Gesellschaftspolitik. Wer Radikalisierung verhindern will, muss Begegnung ermöglichen. Wer demokratische Werte stärken will, muss die Institutionen fördern, die diese Werte täglich vorleben.

FIDeV fordert deshalb: Eine langfristige, verlässliche Förderung von Dialogstrukturen in Frankfurt und Hessen. Keine Projektfinanzierung auf Abruf, die nach zwei Jahren endet und die mühsam aufgebauten Netzwerke zerfallen lässt. Sondern institutionelle Verantwortung für das, was diese Stadt zusammenhält.

Frankfurt kann Modell sein, für andere Städte, für andere Gesellschaften. Aber nur, wenn wir es ernst meinen.

Zusammenleben ist Haltung

Wir glauben: Friedliches Zusammenleben entsteht nicht durch Ignoranz der Unterschiede, sondern durch den Mut, sie anzusprechen. Durch Räume, in denen niemand sein muss, was von ihm erwartet wird, sondern sein kann, wer er ist.

Das ist der Kern unserer Arbeit bei FIDeV. Und das ist unsere Botschaft an Frankfurt: Diese Stadt ist es wert, für sie einzustehen.

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